Wir alle kennen solche Preise mit Nachkommastellen: 9,90 Euro für ein Taschenbuch, 4,50 Euro für zwei Plunderteilchen oder 2,70 Euro für eine Bahnfahrt im Kölner Stadtgebiet.

Und weil wir als Konsument:innen täglich mit solchen Cent-Beträgen in Preisen konfrontiert werden, finden wir sie völlig normal – und verwenden sie dann teilweise in unseren Text-Stundensätzen. Allen voran ich selbst (Spoiler: ich bin mittlerweile weg davon).

Was solche Stundensätze mit Cent-Beträgen nach dem Komma über dich als Texterin und Copywriter aussagen, welche Art von Kundinnen und Auftraggebern du damit anlockst und warum du damit nie auf ein zufriedenstellendes Honorar für deine Arbeit kommst, verrate ich dir in diesem Artikel.

Wie kommen wir Freelancer überhaupt darauf, Stundensätze mit Cent-Anteil zu nennen?

Bei mir lief das im Jahr 2012 so: Ich bekam als Angestellte die erste Anfrage, nebenberuflich einen Flyer für einen damaligen Kollegen zu texten. Ahnungslos und unerfahren nannte ich ihm einen Stundensatz von 20 Euro, womit er – Überraschung – sehr zufrieden war. Aus diesem Auftrag ergaben sich bald weitere Texte für seine Webseite und nach einem Jahr nebenberuflichen Textens kam ich auf die Idee, dass ich doch mal meinen Stundensatz erhöhen sollte.

Ich überlegte, wie weit man denn bei so einer Stundensatz-Erhöhung gehen könne. Und fand mich extrem mutig, ihm meinen neuen Preis zu nennen: 22,50 Euro pro Stunde! Das waren ja immerhin über 10 % mehr.

Im Jahr darauf erhöhte ich um weitere 2,50 Euro und noch ein Jahr später verlangte ich für das Texten von diesem Kunden 27,50 Euro pro Stunde. Seine Reaktion darauf: „Ok, aber dann hoffe ich, dass wir damit jetzt am Ende der Preiserhöhung angekommen sind.“

Eingeschüchtert von dieser Aussage wartete ich dann erstmal ewig mit der nächsten Erhöhung. Denn uuuh, wenn ich nun auf 30 Euro erhöht hätte, dann wäre das ja ein ganz krasser Schritt gewesen. Und eine echt hohe Zahl, so eine 3 mit einer 0 …

Du merkst schon, welche Art von Mindset ich damals hatte: Ich dachte einfach, meine Text-Leistung sei nicht viel wert und dass ich es mit meinen Preisen auch nicht übertreiben sollte (bestätigt durch die Reaktion vom Kunden).

Das und meine Unerfahrenheit damals haben dafür gesorgt, dass ich überhaupt mit einem viel zu niedrigen Stundensatz angefangen habe (mehr zu einem guten Startpreis liest du im letzten Abschnitt). Und warum ich mich dann nur in diesen weichgespülten Schritten von 2,50 Euro getraut habe, den Preis zu erhöhen. Denn klar, ein Preis mit 50 Cent hinten wirkt vorsichtig und hat nicht gleich so eine harte, klare Aussage wie ein voller Euro-Preis.

Man hofft dadurch, dass Kunden und Auftraggeberinnen einen Stundensatz wie 27,50 Euro eher akzeptieren als gleich die 28, 29 oder 30. Denn es sieht einfach weniger aus (ist es de facto ja auch). Anstatt klar zu sagen, hey, so und so viel ist meine Text-Leistung wert, eiert man lieber herum – um bloß keine Absage zu kassieren.

Und, erkennst du dich wieder? Ich hoffe es ja nicht für dich, aber falls doch, schau dir jetzt mal an, was du mit solchem Stundensatz-Rumgeeiere bei Auftraggeber:innen auslöst. 

Das lesen Kund:innen in deinen ,50-Cent-Stundensätzen

Ein Kunde oder eine Auftraggeberin, denen du mit einem Stundensatz von 22,50 Euro, 37,50 Euro oder auch 49,50 Euro kommst, denken:

  • Du bist generell unsicher.
  • Du kennst deinen Marktwert nicht.
  • Du bevorzugst Wischiwaschi anstatt Klarheit und wirst dich auch in Texten eher diffus ausdrücken.
  • Du bist vielleicht nicht der oder die Richtige für den Auftrag (da du ja selbst nicht von dir überzeugt zu sein scheinst).
  • Die Qualität deiner Arbeit ist geringer als bei deiner Konkurrenz mit höheren und vor allem ganzen Euro-Preisen.
  • Du musst selbst jeden Cent umdrehen, brauchst dringend Geld und damit jeden Auftrag, sprich: Vielleicht kann man dich sogar runterhandeln.

Du siehst, was da (teils im Unterbewusstsein) in Kund:innen vorgeht:

Sie spüren deine Unsicherheit – und sowas wirkt leider immer unsexy. Das kann dazu führen, dass Auftraggeber den Job gar nicht erst an dich vergeben. Oder du ziehst eine ganze bestimmte unangenehme Art von Kundinnen an, die ich dir gleich vorstellen werde.

Vorher noch eine Anmerkung: Gerade beim Start in deine Freiberuflichkeit als Texter:in oder auch zwischendurch bei Projektflauten kann es natürlich sein, dass du jeden Cent umdrehen musst und jeden Auftrag brauchst. Das solltest du nur nie deine Kund:innen spüren lassen, denn das kann dann eben zum Gegenteil von dem führen, was du dir wünschst. 

Hallo Pfennigfuchser! Welche Kund:innen du mit Cent-Beträgen anziehst

Die psychologische Wirkung von Preisen mit Cent-Angaben ist ja klar: Sie wirken günstiger, wie ein Schnäppchen. Menschen haben dadurch das Gefühl, etwas zu sparen, wenn sie zugreifen, bzw. mehr für ihr Geld zu bekommen. Das darf ja meinetwegen bei einem Paket Waschmittel im Discounter so sein – aber doch bitte nicht, wenn du deine wertvolle Dienstleistung verkaufst.

Wen du mit solchen subtilen Botschaften nämlich anlockst, sind die Pfennigfuchser. Also Kund:innen, die in dir ein Schnäppchen wittern und die:

  • dich im Stundensatz noch herunterhandeln wollen,
  • jede deiner Rechnungen Punkt für Punkt diskutieren wollen,
  • deine Rechnungen nie pünktlich bezahlen,
  • dich und deine Arbeit nicht wertschätzen,
  • denken, dass Feedbackschleifen und Kommunikation auf keinen Fall zusätzlich berechnet werden dürfen,
  • denken, dass du jederzeit für sie ansprechbar sein musst und springst, sobald sie etwas wollen,
  • selbst moderate Preiserhöhungen nach einem angemessenen Zeitraum ablehnen und drohen, die Zusammenarbeit zu beenden.

Klingt so richtig schön unangenehm, oder?

Da du mit solchen Preisen wie gesagt pure Unsicherheit ausstrahlst, kann es außerdem sein, dass du unsichere Kundinnen und unerfahrene Auftraggeber anziehst (was dann wiederum andere anstrengende Folgen hat).

So gestaltest und steigerst du deine Text-Stundensätze sinnvoll

Auch wenn ich selbst mit einem Stundensatz von 20 Euro angefangen habe (wie gesagt, ist 8 Jahre her): Mittlerweile empfehle ich Texter:innen bei ihrem Neustart 60 Euro Stundensatz. Warum?

  1. Du möchtest du von deinem Honorar leben können.
  2. Du wirkst wie eine „Billig-Texterin“ oder ein „Ramsch-Copywriter“, wenn du wesentlich unterhalb von 60 Euro pro Stunde ansetzt.
  3. Du kannst immer nur in kleinen Schritten erhöhen (wie ich damals in 2,50-Euro-Schritten).
  4. Es dauert entsprechend ewig (wie bei mir), bis du auf einem wirklich zufriedenstellenden Stundensatz ankommst.

Endlich freiberuflich als Texterin Stundensatz

Verabschiede dich auch gleich von Stundensätzen mit Cent-Beträgen hinterm Komma. Mach gar nicht erst rum mit Preisen wie 57,50 Euro oder noch schöner 59,90 Euro. Sag dem Kunden oder der Auftraggeberin einfach 60 Euro. Denn für Kund:innen macht es keinen bzw. kaum einen Unterschied im Budget – für dich macht es aber einen riesigen Unterschied in der Außendarstellung.

Ein weiterer Vorteil: Du konditionierst dich so gleich selbst darauf, deine Stundensätze ab jetzt nur noch in ganzen 5-er oder 10-er-Schritten zu erhöhen. So habe ich es in den letzten Jahren geschafft, aus diesen Preisen von unter 70 Euro pro Stunde herauszukommen. Und da auch bei mir das Ende der Stundensatz-Fahnenstange noch nicht erreicht ist, lege ich aktuell bei jedem Neukunden und jeder neuen Auftraggeberin einen 5er drauf.

Wie sind deine Erfahrungen mit Stundensätzen und dazu passenden Kund:innen?

Hast du selbst schon festgestellt, dass du mit höheren und klaren Stundensätzen andere Auftraggeber:innen anziehst als früher? Wenn du Lust hast, deine Erfahrungen mit der Text-Community zu teilen, lass jetzt unten einen Kommentar da.

Auf deinen Erfolg!

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