Wenn du wie ich nicht nur für Konzerne, sondern auch für Start-ups, Klein- und Einzelunternehmen textest, hast du garantiert schon Erfahrung mit der Spezies „unsichere:r Kund:in“ gemacht. Vielleicht war dir auch gar nicht klar, dass du jemanden aus dieser Kategorie vor dir hast. Aber dass der Job nicht so smooth läuft wie andere, hast du direkt gemerkt.

Woran du unerfahrene Text-Auftraggeber:innen erkennst, wie du ihnen Sicherheit gibst und dich so zum favorisierten Copywriter oder zur Lieblingstexterin machst, teile ich mit dir in diesem Artikel.

Woher kommt die Unsicherheit gegenüber Freelancern?

Gerade, wenn ein Start-up oder ein Einzelunternehmen zum ersten Mal eine:n Texter:in (oder generell Dienstleister:innen) beauftragt, ist die Unsicherheit groß.

Absolut nachvollziehbar, ihnen fehlt einfach die Erfahrung. Viele wissen gar nicht, wo sie nach guten Text-Kolleg:innen suchen sollen, was im Erstgespräch geklärt werden muss und wie man Text-Qualität beurteilt. Manche sind sogar unschlüssig, ob vielleicht eine Agentur die bessere Alternative für sie wäre (da meist kostengünstiger).

Außerdem beauftragen manche dich zwar als Texter:in, weil sie gehört haben, dass „man für die Webseite Texte braucht“. Aber welchen Wert gute Texte tatsächlich für ihr Unternehmen schaffen, können sie noch nicht beurteilen – da ihnen eben der Vergleich fehlt.

Dazu kommt, dass unerfahrene Auftraggeber:innen gar nicht so genau wissen, welche Art von Texten in welcher Länge sie überhaupt brauchen, was die Zielgruppe interessiert und wie häufig ein Corporate Blog mit frischem Content bestückt werden sollte.

All das führt dazu, dass solche Kund:innen nicht einfach nur eine:n Texter:in suchen, sondern eine Person, die genau weiß, was sie tut und die entsprechende Sicherheit vermitteln kann. Jetzt fragst du dich, wie du gegenüber deinen Auftraggeber:innen diese Sicherheit, Expertise und Vertrauenswürdigkeit ausstrahlen kannst?

Teile ich gerne mit dir weiter unten, aber lass uns erstmal einen Blick darauf werfen, woran du unsichere Kund:innen erkennst und welche Arten es gibt.

Woran erkennst du unsichere Auftraggeber:innen?

Verschiedene Arten unerfahrener Kund:innen

Vorweg, es gibt 2 Arten von unsicheren Kund:innen:

  1. Diejenigen, die offensiv mit ihrer Unerfahrenheit umgehen, sich gerne auf dich als Profi verlassen, auf deine Vorschläge eingehen und sogar sagen: „Ich weiß einfach nicht, wie lange man für so einen Text braucht. Ich vertraue Ihnen da einfach.“ Das ist natürlich das Ideal, aber ich habe zum Glück immer wieder solche Kund:innen.
  2. Dann gibt es noch die Sorte, die sich – vermutlich aufgrund schlechter Erfahrung – schwer damit tut, Verantwortung abzugeben und zu vertrauen. Solche Auftraggeber:innen möchten am liebsten alles kontrollieren und es fällt ihnen schwer, deine Bedingungen zu akzeptieren. Ja, auch mit dieser Gattung habe ich so meine Erfahrungen. Die Zusammenarbeit ist oft stressig, weniger wertschätzend und macht entsprechend auch weniger Spaß.

Verhaltensweisen, die auf Unsicherheit hindeuten

Hier nun typische Verhaltensweisen, die dir – vor allem in Kombination – zeigen: Dein:e Kund:in hat wenig bis keine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Freelancer Texter:innen:

  • Sie testen parallel mehrere Texter:innen und brauchen lange, um eine finale Entscheidung zu treffen.
  • Sie bestehen auf einem persönlichen Kennenlernen.
  • Sie können dir nicht genau sagen, was für Texte sie brauchen („Wir brauchen einfach Texte, Content ist schließlich King.“) und wie diese klingen sollen.
  • Sie haben sich keine Gedanken über Briefings gemacht und haben keine Vorstellung davon, welche Infos du in welcher Form brauchst, um einen guten Text schreiben zu können.
  • Sie fragen dich, welches Budget sie für das Textprojekt (z. B. einen eigenen Firmenblog) kalkulieren müssen.
  • Sie wollen deinen Preis verhandeln (haben aber keine Vorstellung davon, wie viel gute Texte kosten).
  • Sie wollen, dass du pro Wort abrechnest.
  • Sie diskutieren einzelne Punkte auf deinen Rechnungen und wollen genau wissen, warum du für dies und jenes so und so lange gebraucht hast.
  • Sie kennen sich nicht mit SEO aus, haben für ihre Webseite noch keine entsprechende Strategie und können dir keine Keywords nennen.
  • Sie können ihre Zielgruppe nicht genau beschreiben und haben nach wie vor nicht entschieden, ob sie ihre Leser:innen siezen oder duzen.
  • Sie machen dir keinerlei Vorgaben, wie die Zielgruppenansprache klingen soll („Wir wollen halt sympathisch rüberkommen“) – bei deiner Frage nach ihrer Corporate Language zucken sie ein bisschen zusammen.
  • Sie haben keine Ahnung, welche (Blog-)Themen für ihre Zielgruppe interessant sind (und nehmen dankbar deine Vorschläge an).
  • Sie tun sich schwer damit, dir konstruktives Feedback zu deinen Texten zu geben. Anstatt etwas Konkretes zu benennen, heißt es dann: „Der Text ist irgendwie noch nicht rund. / Der Text ist anders, als wir ihn uns vorgestellt haben. / Der Text überzeugt noch nicht.“

So gibst du deinen Kund:innen mehr Sicherheit

Wenn du die folgenden Strategien direkt von Anfang an anwendest, lassen sich einige der gerade beschriebenen Verhaltensweisen deiner Auftraggeber:innen vermeiden. Vor allem alles, was mit übermäßiger Kontrolle und mangelndem Vertrauen zu tun hat.

Mach eigene Content-Vorschläge

Sofern für das erste Telefonat oder den ersten Video-Call ein Termin vereinbart wurde und du die Möglichkeit hast, dich vorzubereiten:

  1. Schau dir die Webseite und eventuell die Social-Media-Kanäle des Unternehmens an.
  2. Mach eine Schnell-Analyse und notiere dir, wo die Kundin bzw. der Auftraggeber in Sachen Text und Content schon gut aufgestellt ist und wo es noch Optimierungsbedarf gibt.
  3. Lass deine Erkenntnisse im Gespräch einfließen, allerdings nicht zu kritisch, sondern einfach beratend, z. B.: „Ich habe gesehen, dass Sie schon eine richtig gute Über-uns-Seite haben. Für Ihre Kund:innen wäre auch noch spannend, etwas über Ihre Mission zu erfahren, z. B. in Form eines Claims.“

Solche Vorschläge und Beobachten zeigen Auftraggeber:innen, dass du dich für ihr Unternehmen interessierst und dich damit auseinander gesetzt hast. Das hat denselben positiven Effekt, wie wenn Bewerber:innen in ihrer Bewerbung schreiben, warum sie unbedingt in diesem Unternehmen arbeiten möchten.

Das ganze hat übrigens für dich auch noch einen weiteren Vorteil: Auf diese Weise betreibst du nämlich sogenanntes Upselling, d. h.:

Du machst dem Auftraggeber oder der Kundin schmackhaft, was sie noch alles an Texten gebrauchen können, damit sie ihre Ziele schneller und nachhaltiger erreichen. Und klar, dass sie diese Texte dann natürlich auch bei dir in Auftrag geben werden.


Stell Fragen zu ungeklärten Punkten

Wie oben schon gesagt: Kund:innen, die zum ersten Mal nach freiberuflichen Texter:innen suchen, wissen selten, was im Erstgespräch alles geklärt werden muss. Ihnen reicht meist die Frage nach deinem Preis und vielleicht noch deiner Erfahrung mit ihrem Themengebiet.

Indem du in diesem Gespräch alle Punkte klärst, die du für eine gute Texterstellung brauchst, zeigst du, wie sehr du erfahrener Profi bist und wie gut dieser Auftrag bei dir aufgehoben ist. Wichtig sind für dich ja z. B. die Frage nach Deadlines bzw. dem Zeitplan des Projekts, nach Keywords, die du unterbringen sollst, wer dein:e Ansprechpartner:in ist und wie die Feedback-Schleifen stattfinden etc.

Stell Fragen zur Strategie und gib Tipps

Sofern der Kunde oder die Auftraggeberin nicht von sich aus etwas zur übergeordneten Strategie des Textprojekts gesagt hat, solltest du danach fragen.

  • Erstens hilft dir das, die Ziele deiner Texte besser zu verstehen und darauf eingehen zu können.
  • Zweitens zeigst du auch dadurch, dass du übergeordnet mitdenkst und ein:e erfahrene:r Content-Expert:in bist.
  • Und drittens kannst du auch hier wieder beratend einspringen und Tipps geben. Z. B. zu einer sinnvollen Frequenz von Blog-Artikeln, Social-Media-Postings, Pressemitteilungen & Co, ob die Zielgruppe besser geziezt oder geduzt werden sollte.

Biete einen bezahlten Probetext an

Es stärkt definitiv das Vertrauen auf Seite der Kund:innen, wenn du von dir aus anbietest, die Zusammenarbeit in Form eines bezahlten Probeartikels zu testen.

Auch wenn Auftraggeber:innen natürlich ohnehin nach deinem ersten Text die Zusammenarbeit stoppen können (sofern ihr nichts vertraglich vereinbart habt), wirkt das Wort „Probetext“ extrem entspannend auf unsichere Kund:innen. Klar, sie haben dann noch mehr das gute Gefühl, nicht gleich die ganze Katze im Sack zu kaufen.

Noch mehr nach erfahrenem Profi klingst du, wenn du dazu sagst, dass ein Probeartikel für beide Seiten Vorteile hat. Weil ihr so beide schauen könnt, ob es für euch mit der Zusammenarbeit passt. Damit sagst du auch indirekt, dass du auch nicht jeden Auftrag annimmst, was dir einen Hauch von Exklusivität verleiht.

Werde zum Lieblings-Freelancer deiner Kund:innen

Wenn du die beschriebenen Tipps anwendest, merken deine Kund:innen sofort, dass sie es mit einer echten Expertin bzw. einem wahren Profi zu tun haben.

Das gibt den Auftraggeber:innen Sicherheit und lässt sie wesentlich relaxter an das Textprojekt herangehen. Was für dich bedeutet: Weniger Kontrolle, mehr Entfaltungsmöglichkeiten und eine wesentlich größere Chance, dass du absolute Hammer-Texte produzierst, die sich wiederum in deinem Portfolio gut machen.

Und, deine Kund:innen werden entsprechend so dermaßen zufrieden mit deinen Ergebnissen sein, dass sie:

  • dich gerne weiterempfehlen,
  • dich immer wieder beauftragen,
  • deine Preise (und spätere Preiserhöhungen) bezahlen
  • und dir gerne ein Testimonial für deine Webseite geben.

Was sind deine Erfahrungen mit unsicheren Kund:innen?

Wie bist du bisher mit unerfahrenen Auftraggeber:innen umgegangen und wie hat sich ihre Unsicherheit geäußert? Teile deine Erfahrung mit mir und der Texter:innen-Community jetzt per Kommentar unten.

Auf deinen Erfolg!

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